Südwestsonne

Südwestsonne

Das Projekt Südwestsonne ist ein nicht ganz gewöhnliches Mehrfamilienhaus das zwar auch zur (oft von Anwohnern mit Misstrauen beobachteten) "Aufwertung im Kiez" beiträgt, in dem Fall aber eine echte Bereicherung bietet, was die soziale Infrastruktur und nachbarschaftliche Vernetzung angeht.

Hier konnte gleichzeitig mit der Entstehung von qualitativ hochwertigen Eigentumswohnungen ein sehr mutiges Nutzungskonzept für integriertes Wohnen verwirklicht werden, das ambulante Pflege mit eigenständigem Wohnen kombiniert, wobei die vom Verein NiWo betriebene Gemeinschaftswohnung der Pflegebedürftigen, andernorts meist vereinsamenden lebensbedrohlich Kranken strukturell eng in eine Hausgemeinschaft eingebunden ist. Dies alles baut auf ein rein nachbarschaftliches Verhältnis und ohne eine übergeordnete Struktur, verbindend ist die Erfahrung des gemeinsamen Planens und Bauens. Die Beteiligung des Vereins NiWo e.V. als ein Baugruppenmitglied zur Schaffung von Wohnraum für Sterbenskranke, der vollkommen auf private Spendengelder und Förderung angewiesen ist, erforderte von den übrigen Eigentümern oft einen sehr langen Atem, wurde aber von Anfang inhaltlich mitgetragen und letztlich auch ermöglicht trotz damit verbundener Erschwernisse und anfänglicher Verzögerungen im Gruppenbildungsprozess.

Die Eigentümer nutzen die zwölf Wohnungen in EG und 2.-5. Etage selbst oder vermieten diese. NiWo e.V. betreibt sein Vereinsbüro mit Schaufenster zur Straße und Seminarräume im EG, sowie im 1.OG fünf als Gemeinschaftswohnung zusammengeschlossene Mietappartements für "selbstbestimmtes Wohnen und Leben bis zuletzt". Die sorgfältige Grundrissgestaltung ermöglicht in der Wohngemeinschaft gleichzeitig individuelle Rückzugsmöglichkeit und Selbständigkeit. Die Mieter haben, was den Wohnalltag betrifft, gleichberechtigt Anschluss an die Hausgemeinschaft, die gemischt aus Mietern und Eigentümern besteht und deren Zusammensetzung sich immer wieder ändern wird.
Alle Bewohner werden den am Durchgang zum Garten gelegenen Gemeinschaftsraum mit Sauna, sowie auch den Garten gemeinsam gestalten und nutzen.

Die Gartenseite des Gebäudes ist nach Südwesten orientiert. Von den Balkonen gibt es über den eigenen Garten hinweg einen unverbaubaren Blick auf den Tempel des benachbarten Buddhistischen Zentrums, mit dem der Verein NiWo eV. verbunden ist.

Auf die Verwendung ökologischer Baustoffe für Innenausbau und die Fassade wurde viel Wert gelegt. Energie-Standard: KFW 70. Heiztechnik: Mini-BHKW von Lichtblick. Die Stahlbetonskelettkonstruktion gewährt eine hohe Flexibilität in der Grundrissgestaltung.

*
Ort: Berlin-Friedrichshain, Scharnweberstraße 45
*
Zeitraum: 2010-2013
*
Größe: Grundstück 500 qm, Wohnfläche 1.400 qm
*
Kosten: ca.3 Mio Gesamtherstellungskosten incl. Grundstück, 2.300 €/qm
*
Die Zusammenarbeiter: Gruppenfindung, Prozesssteuerung
*
Auftraggeber: BauGbR Südwestsonne
*
Architektur: Büro Archid, Inka Drohn


Umsetzung
Aufregend ist es, einen eigenen Beitrag zum Gesicht der Stadt zu leisten.

Begleitung
Entspannt ist der Geldbeutel bei Eigenleistung in Selbstbau.